Fünf Regionalligen, aber nur vier Aufstiegsplätze: Seit Jahren ist das die zentrale Ungerechtigkeit unterhalb der 3. Liga. Das DFB-Präsidium hat am 30. Oktober 2026 offiziell beschlossen, das Kompassmodell dem außerordentlichen DFB-Bundestag zur Abstimmung vorzulegen. Der Antrag sieht vier statt fünf Regionalligen vor. Die verbindliche Entscheidung steht jedoch noch aus.

Was ist schon beschlossen – und was nicht?
Beschlossen am 30. Oktober: Das DFB-Präsidium hat die Einberufung des außerordentlichen Bundestags für den 18. Dezember 2026 sowie die Einreichung des Kompassmodells als Reformantrag beschlossen. Auch die DFB-Trägerschaft ist Gegenstand eines Antrags. Noch nicht beschlossen ist die Einführung der neuen Liga.
Nächste Entscheidung: Am 18. Dezember 2026 stimmen 257 Delegierte des DFB-Bundestags über den Antrag ab. Für die notwendige Satzungsänderung braucht das Kompassmodell eine Zweidrittelmehrheit. Nur bei Zustimmung dient 2027/28 als Qualifikationssaison und startet das neue System 2028/29. DFB-Beschluss vom 30.10.2026.
Warum braucht die Regionalliga eine Reform?
Die fünf Regionalligen heißen Nord, Nordost, West, Südwest und Bayern. Sie bilden die vierte Spielklassenebene im Männerfußball. Die darüberliegende 3. Liga hat derzeit vier Abstiegsplätze. Deshalb können nur vier Vereine aus den fünf Regionalligen aufsteigen. Das führt dazu, dass ein Meister nicht automatisch für seine sportliche Leistung mit dem Aufstieg belohnt wird.
Nach der geltenden Regelung steigen die Meister aus West und Südwest direkt auf. Von Nord, Nordost und Bayern erhält im jährlichen Wechsel ein Meister ebenfalls einen Direktplatz. Die anderen beiden spielen in Hin- und Rückspiel um den vierten Platz. Diese Verteilung wird seit 2020/21 angewandt.
Wie dieses System entstanden ist, erläutert der DFB in seinen Fragen und Antworten zur Aufstiegsregelung.
Die Reformmodelle im Vergleich
Mehrere Konzepte verfolgen dasselbe Ziel, verändern aber unterschiedliche Ebenen des Spielbetriebs. Das Kompassmodell ist seit dem 30. Oktober der vom DFB-Präsidium offiziell eingereichte Antrag. Die Zustimmung des DFB-Bundestags steht aus; die Alternativen bleiben Teil der politischen Debatte.
| Modell | Regionalliga | Entscheidende Änderung |
|---|---|---|
| Kompass | 4 flexible Staffeln | Vier Meister direkt; Zuordnung nach Reisewegen und ergänzenden Kriterien |
| Regionen | 4 feste Räume | Vier Meister direkt; neue feste Grenzziehung |
| 22/5 | 5 Staffeln bleiben | 3. Liga mit 22 Teams und fünf Abstiegsplätzen |
| Zwei Phasen | Regionaler Auftakt, danach Aufstiegsgruppen | Verändert den Saisonablauf; keine hier als beschlossen dargestellte Detailregelung |
01 · Kompassmodell – vier flexibel eingeteilte Staffeln
Die fünf bisherigen Regionalligen würden durch vier Staffeln mit jeweils 20 Teams ersetzt. Die Zuordnung erfolgte vor jeder Saison nach geografischen Kriterien und möglichst kurzen Reiserouten. Damit wären vier Meister automatisch vier Aufsteiger.
Vorteil: Eine klare Aufstiegslogik. Risiko: Klubs könnten je nach Mannschaftsbestand jährlich die Staffel wechseln; eingespielte Derbys und Kalkulationen könnten darunter leiden.
Der Antrag sieht zusätzlich die DFB-Trägerschaft, eine zentrale Vermarktung und einheitliche Zulassungsregeln vor. Vorgesehen sind mindestens 500.000 Euro jährlich je Regionalverband und mindestens 40.000 Euro pro Jahr für Vereine mit ihrer ersten Mannschaft in der Regionalliga; darüber hinaus sollen 90 Prozent zusätzlicher Vermarktungserlöse an die Klubs fließen. Die Umsetzung ist vom Bundestagsbeschluss abhängig.
02 · Regionenmodell – vier Staffeln mit festen Räumen
Auch dieses Modell reduziert die Regionalliga auf vier Staffeln. West und Südwest würden bestehen bleiben; aus Nord, Nordost und Bayern würden zwei neue Regionen geschaffen. Anders als beim Kompassmodell blieben die geografischen Grenzen dauerhaft definiert.
Vorteil: Höhere regionale Planbarkeit. Risiko: Eine faire und praktikable Grenzziehung ist schwierig, und besonders betroffene Vereine müssten neu zugeordnet werden.
03 · Modell 22/5 – fünf Regionalligen bleiben
Der Bayerische Fußball-Verband favorisiert eine Erweiterung der 3. Liga von 20 auf 22 Mannschaften. Dort gäbe es künftig fünf Absteiger. Damit könnten alle fünf Regionalliga-Meister direkt aufsteigen, ohne die bisherigen fünf Staffeln abzuschaffen.
Vorteil: Die regionalen Strukturen blieben erhalten. Risiko: Mehr Spiele, mehr Belastung und ein höheres Abstiegsrisiko für Drittligisten. Der Vorschlag hat keine allgemeine Zustimmung gefunden.
04 · Zwei-Phasen-Modell – anderer Saisonablauf
Als weitere Variante wurde ein System mit einer regionalen Vorrunde und späteren überregionalen Aufstiegsgruppen diskutiert. Es würde nicht einfach nur Grenzen verschieben, sondern den gesamten Spielplan und die Wertungslogik verändern. Vor einer konkreten Umsetzung müssten insbesondere die sportliche Fairness, der Aufwand und der Umgang mit Vorrundenergebnissen geklärt werden. Es ist derzeit nicht die vom DFB favorisierte Vorlage.
Die ursprüngliche DFB-Arbeitsgruppe legte im März ausdrücklich das Kompass- und das Regionenmodell vor. Offizielle Vorstellung der beiden AG-Modelle. Das 22/5-Modell wird aktuell vor allem aus Bayern erneut in die Debatte eingebracht. BR24-Bericht vom 28. Oktober.
Was steht konkret im DFB-Antrag vom 30. Oktober?
Mit der Präsidiumsentscheidung ist das Kompassmodell kein bloßes Gedankenspiel mehr, sondern ein offizieller Beschlussantrag. Der DFB nennt jetzt erstmals in einer offiziellen Mitteilung verbindlich formulierte Eckpunkte für den Fall der Zustimmung im Dezember.
Qualifikation 2027/28: Woher kommen die 80 Plätze?
Hinzu kommen vier Absteiger aus der 3. Liga: zusammen 80 Mannschaften für vier Staffeln à 20 Vereine. Die Zahlen sind Kontingente der bisherigen Regionen, keine fertige Abschlusstabelle und kein fertiger Staffelplan. Wie die Verbände ihre Plätze im Detail vergeben, ist im Rahmen der Qualifikationsregelungen zu klären.
Alle vier Meister würden direkt in die 3. Liga aufsteigen. In jeder der vier Regionalligen gäbe es vier feste Absteiger in die fünfte Spielklassenebene. Bei der jährlich nach Reisewegen geplanten Staffeleinteilung sollen besondere Härtefälle, regionale Derbys und eine mögliche Häufung von mehr als sieben zweiten Mannschaften berücksichtigt werden.
Die begleitende DFB-FAQ nennt als geplante Eckpunkte unter anderem 2.500 Stadionplätze, davon mindestens 100 Sitzplätze, Flutlicht mit mindestens 200 Lux sowie drei Presseplätze. Für Stadionkapazität und Flutlicht wäre eine Übergangsfrist bis zur Saison 2030/31 vorgesehen. Auch diese Regeln sind noch nicht in Kraft.
Zur finanziellen und organisatorischen Seite gehören eine zentrale Vermarktung durch den DFB und die beschriebenen jährlichen Mindestförderungen. Die zugrunde liegenden Details veröffentlichte der Verband in seiner Mitteilung vom 30. Oktober und in der FAQ zum Kompassmodell.
Was würde sich für die fünfte Spielklasse ändern?
Die DFB-FAQ sieht weiterhin 16 Aufsteiger aus der fünften Ebene vor. Ihre Verteilung ist von den einmaligen Qualifikationskontingenten für 2028/29 zu unterscheiden:
West: 4jährliche Aufstiegsplätze
Südwest: 4jährliche Aufstiegsplätze
Nord: 3jährliche Aufstiegsplätze
Bayern und Nordost hätten jeweils 2,5 Plätze. Das heißt nicht, dass eine halbe Mannschaft aufsteigt: Nach den beiden festen Plätzen pro Region würde ein weiterer gemeinsamer Platz zwischen beiden Verbänden ermittelt. Über den Modus könnten sie sich einvernehmlich verständigen. Ein bestimmtes Hin- und Rückspiel oder ein konkreter Termin ist damit noch nicht festgelegt.
Auch beim Abstieg lohnt die Unterscheidung: Vier feste Absteiger je Regionalliga-Staffel würden die Zahl innerhalb dieser Staffeln berechenbarer machen. Wenn mehrere Klubs derselben Oberliga zugeordnet werden, kann es dort dennoch Anpassungsbedarf geben. Die DFB-FAQ benennt dieses Risiko ausdrücklich. Die Reform beseitigt also nicht automatisch jede regionale Kettenwirkung.
Quelle: DFB-FAQ vom 30.10.2026: Auf-/Abstieg und Folgen für die fünfte Ebene. Alle Angaben stehen unter dem Vorbehalt der Reformzustimmung.
Warum ist die Einigung trotzdem so schwierig?
Im Juni 2026 wurden Vereine aus den betroffenen Spielklassen zu den Modellen befragt. Die Ergebnisse waren regional sehr unterschiedlich. In West (60,9 %), Nord (61,5 %) und Nordost (76,3 %) lag das Kompassmodell vorne. Im Südwesten (93,1 %) setzte sich das Regionenmodell durch. In Bayern (52,4 %) votierte eine Mehrheit für die weitere Ausarbeitung zusätzlicher Modelle.
Bundesweit erhielt das Kompassmodell nach DFB-Angaben 50,6 Prozent der Stimmen. Die Verteilung erklärt den Konflikt: Es gibt ein grundsätzlich gemeinsames Ziel, aber keine einheitliche Vorstellung davon, wer die Lasten der Neustrukturierung tragen soll. BFV: dokumentierte Abstimmungsergebnisse.
Was bedeutet die Reform für die Vereine?
Für den Alltag eines Regionalligisten sind die Folgen keineswegs abstrakt. Eine andere Staffel kann längere Auswärtsreisen, neue Gegner und eine andere Derby-Kulisse bedeuten. Auf der anderen Seite stärkt eine garantierte direkte Aufstiegsmöglichkeit den sportlichen Wert der Meisterschaft.
- Meisterschaft: Im viergleisigen Modell wäre der direkte Aufstieg jedes Meisters strukturell möglich.
- Regionale Rivalitäten: Traditionelle Duelle könnten wegfallen oder neu entstehen. Eine fertige Staffelkarte gibt es noch nicht.
- Finanzen: Der offizielle Antrag sieht Mindestzahlungen und einen Anteil an zentralen Vermarktungserlösen vor. Ob dies Mehrkosten einzelner Vereine vollständig auffängt, ist offen.
- Übergang: Die regionalen Qualifikationskontingente und vier feste Absteiger je künftiger Staffel sind jetzt benannt; einzelne Qualifikationswege und Härtefallregelungen bleiben wichtig.
- 3. Liga: Nur das 22/5-Modell würde auch die Größe und Zahl der Absteiger in der dritthöchsten Spielklasse verändern.
Einen Blick auf die nächsthöhere Spielklasse bietet unser Saisonrückblick zur 3. Liga 2025/26.
Ein fiktiver Verein: Welche Fragen wären jetzt zu klären?
Beispielverein A spielt mit seiner ersten Mannschaft im bisherigen Westen. Sein Stadion hat in diesem frei gewählten Fall 2.200 Plätze und kein Flutlicht. Das Beispiel beschreibt keinen realen Klub und keine bereits feststehende Staffeleinteilung.
- Qualifikation: Das West-Kontingent von 16 Vereinen ist keine Zusage, dass allein Tabellenplatz 16 genügt. Der Klub müsste die konkret auszugestaltenden regionalen Qualifikationsbedingungen prüfen.
- Infrastruktur: Die genannten Stadionwerte würden die geplanten 2.500 Plätze und die Flutlichtanforderung noch nicht erfüllen. Bei Einführung wäre ein Investitions- und Genehmigungsplan nötig. Die vorgesehene Übergangsfrist für diese Anforderungen reicht bis 2030/31; das ist keine vollständige Zulassungsgarantie für den Beispielverein.
- Reisen und Derbys: Eine andere jährliche Staffelzuordnung kann Gegner und Einnahmen verändern. Deshalb sollte der Verein mehrere Budgets mit unterschiedlichen Reise- und Derbyannahmen rechnen, sobald belastbare Zuordnungen vorliegen.
- Förderung: Die vorgesehene jährliche Mindestzahlung von 40.000 Euro an Klubs mit erster Mannschaft ist ein Einnahmeposten. Sie ist weder automatisch eine vollständige Erstattung von Stadioninvestitionen noch ein Nachweis, dass bei jedem Klub sämtliche Mehrkosten gedeckt wären.
So wird aus einer Grundsatzdebatte eine Vereinsentscheidung: Qualifikationsweg, Zulassung, wiederkehrende Betriebskosten und einmalige Investitionen getrennt betrachten. Solange Staffel- und Detailregeln fehlen, wären präzise Kilometer- oder Gewinnversprechen Scheingenauigkeit.
Bisherige Beschlüsse und nächste Termine
25. März 2026
Die DFB-Arbeitsgruppe empfiehlt einstimmig vier Regionalligen und legt zwei Modelle vor.
23. Oktober 2026
Ein konkreterer DFB-Vorschlag zum Kompassmodell wird öffentlich bekannt.
30. Oktober 2026
Das DFB-Präsidium beschließt die Einberufung des Außerordentlichen DFB-Bundestags und die Einreichung des Kompassmodells als offiziellen Antrag.
18. Dezember 2026
Einberufener Außerordentlicher DFB-Bundestag in Frankfurt: Abstimmung über die Reform; erforderlich ist eine Zweidrittelmehrheit der 257 Delegierten.
Saison 2027/28 – vorgesehen
Qualifikationssaison für die neue Struktur, falls die Reform beschlossen wird.
Saison 2028/29 – angestrebt
Möglicher Start einer viergleisigen Regionalliga.
Einordnung: Welche Lösung ist realistischer?
Das Kompassmodell ist nun der offizielle Antrag des DFB-Präsidiums. Es löst die sportliche Aufstiegsfrage durch vier Regionalligen. Das Regionenmodell würde feste Räume erhalten, das 22/5-Modell die 3. Liga vergrößern. Verbindlich beschlossen ist die Reform erst, wenn der DFB-Bundestag zustimmt. Ein wichtiges Hindernis für das Kompassmodell ist die nötige Mehrheit im DFB-Bundestag; gerade aus Bayern und Teilen des Südwestens kommt deutliche Kritik.
Die Reform wird sich am Ende an mehr messen lassen müssen als am Slogan „Meister müssen aufsteigen“: nämlich an transparenten Übergangsregeln, fairen Qualifikationsbedingungen, wirtschaftlicher Tragfähigkeit und einer sportlich nachvollziehbaren Ligazugehörigkeit.
Primärquellen: DFB – Arbeitsgruppe vom 25.03.2026; DFB – Vorbereitung des außerordentlichen Bundestags vom 11.09.2026; BFV – Vereinsabstimmung 29.06.2026. Neu und maßgeblich: DFB – Präsidiumsbeschluss und Antrag vom 30.10.2026 sowie DFB – FAQ zum Kompassmodell. Ergänzend: MDR – Entwurf vom 23.10.2026 und BR24 – Modell 22/5 vom 28.10.2026. Stand: nach der DFB-Präsidiumssitzung am 30. Oktober 2026. Verabschiedung und Umsetzungsdetails bleiben dem Bundestag vorbehalten.





