Mehr Geld, mehr Punkte? Transferausgaben und Bundesliga-Erfolg im Datencheck

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Wie stark hängt sportlicher Erfolg in der Bundesliga tatsächlich mit den Ausgaben auf dem Transfermarkt zusammen? Für diese Analyse haben wir 90 Club-Saisons aus den fünf abgeschlossenen Spielzeiten 2020/21 bis 2024/25 untersucht. Das Ergebnis ist deutlich – aber weniger simpel als „mehr Geld gleich mehr Erfolg“.

Das wichtigste Ergebnis: Höhere Brutto-Transferausgaben gehen im untersuchten Datensatz tendenziell mit mehr Punkten einher. Die Pearson-Korrelation zwischen Transferausgaben und Punkten pro Spiel liegt bei rund r = 0,60. Auch die Rangkorrelation nach Spearman liegt mit rund ρ = 0,59 in einer ähnlichen Größenordnung. Das ist ein statistischer Zusammenhang – kein Nachweis, dass höhere Ausgaben die zusätzlichen Punkte verursachen.
90 Club-Saisons
r ≈ 0,60 Pearson-Korrelation
5 abgeschlossene Spielzeiten

Mehr Transferausgaben, mehr Punkte: Was die Daten zeigen

Die 90 Beobachtungen zeigen ein erkennbares Muster: Mit steigenden Brutto-Transferausgaben steigt im Mittel auch die Zahl der Punkte pro Spiel. Die Streuung ist allerdings groß. Vereine mit ähnlichem Transferbudget können sportlich sehr unterschiedlich abschneiden – und einzelne Clubs liegen weit über oder unter dem Wert, den ein einfaches Ausgabenmodell erwarten ließe.

Transferausgaben und Punkte pro Spiel in der Bundesliga 2020/21 bis 2024/25
90 Club-Saisons: Brutto-Transferausgaben im Verhältnis zu den erzielten Punkten pro Spiel. Die Linie zeigt den linearen Trend.

Der Pearson-Wert von rund 0,60 beschreibt einen moderaten positiven linearen Zusammenhang. Er bedeutet ausdrücklich nicht, dass „60 Prozent des Erfolgs durch Transfers verursacht werden“. Die Spearman-Korrelation von rund 0,59 bestätigt das Grundmuster auch auf Basis der Rangordnung und ist dadurch weniger empfindlich gegenüber einzelnen extrem hohen Transferausgaben.

Der positive Zusammenhang zeigt sich in allen fünf Spielzeiten

Der Gesamtwert entsteht nicht nur durch eine einzelne außergewöhnliche Saison. In jeder der fünf untersuchten Spielzeiten war der Zusammenhang zwischen Transferausgaben und Punkten positiv. Am stärksten fiel er in unserer Berechnung 2022/23 aus, am schwächsten 2021/22.

Saison Pearson r Einordnung
2020/21 0,70 deutlich positiv
2021/22 0,45 moderat positiv
2022/23 0,78 deutlich positiv
2023/24 0,62 moderat bis deutlich positiv
2024/25 0,64 moderat bis deutlich positiv
Korrelation zwischen Transferausgaben und Bundesliga-Punkten nach Saison
Pearson-Korrelation zwischen Brutto-Transferausgaben und Punkten pro Spiel in den fünf untersuchten Bundesliga-Spielzeiten.

Weil sich das allgemeine Preisniveau auf dem Transfermarkt von Saison zu Saison unterscheidet, haben wir Ausgaben und sportliches Ergebnis zusätzlich innerhalb der jeweiligen Spielzeit standardisiert. Auch dann bleibt der Zusammenhang bestehen; Pearson liegt in dieser Variante bei rund r = 0,64.

Stuttgart und Leverkusen 2023/24: deutlich mehr Punkte als das Ausgabenmodell erwarten ließ

Besonders interessant sind nicht nur die Durchschnittswerte, sondern die Abweichungen. Ein einfaches lineares Modell kann für jede Club-Saison einen erwarteten Wert allein auf Basis der Transferausgaben berechnen. Einige Teams übertrafen diesen Wert erheblich.

VfB Stuttgart 2023/24

22,45 Mio. € Bruttoausgaben
73 Punkte
Platz 2

Bayer Leverkusen 2023/24

83,90 Mio. € Bruttoausgaben
90 Punkte
Platz 1

Stuttgart ist ein besonders anschauliches Beispiel. Im verwendeten Datenstand lagen die Bruttoausgaben deutlich unter denen mehrerer Konkurrenten, sportlich beendete der VfB die Saison aber auf Rang zwei. Leverkusen blieb 2023/24 ungeschlagen und holte 90 Punkte. Beide Club-Saisons liegen deutlich oberhalb dessen, was das einfache Ausgabenmodell erwarten lässt.

Hohe Ausgaben sind keine Erfolgsgarantie

Die Gegenbeispiele sind ebenso wichtig. RB Leipzig investierte im verwendeten Snapshot 2023/24 rund 187,15 Millionen Euro und erreichte 65 Punkte. Stuttgart kam mit rund 22,45 Millionen Euro auf 73 Punkte. In der Saison 2024/25 stehen bei Hoffenheim im verwendeten Datensatz 78,5 Millionen Euro Bruttoausgaben nur 32 Punkten gegenüber.

Abweichungen von Bundesliga-Clubs vom statistischen Transferausgaben-Modell
Positive und negative Abweichungen vom einfachen linearen Modell. Die Darstellung bewertet nicht die Qualität der Transferarbeit.

Diese Fälle widerlegen den Gesamtzusammenhang nicht. Sie zeigen vielmehr dessen Grenze: Transferausgaben sind nur eine von mehreren Größen, die mit sportlichem Erfolg zusammenhängen.

Warum der Transfersaldo deutlich weniger erklärt

Zusätzlich haben wir untersucht, ob Nettoausgaben – also Ausgaben abzüglich Transfereinnahmen – stärker mit dem sportlichen Ergebnis zusammenhängen. In dieser einfachen Fünfjahresanalyse ist das nicht der Fall. Für Nettoausgaben und Punkte pro Spiel ergibt sich lediglich ein schwacher Zusammenhang von ungefähr r = 0,16; in unserer Berechnung war dieser Zusammenhang statistisch nicht überzeugend (p ≈ 0,14).

Das ist kein Beweis dafür, dass der Transfersaldo sportlich bedeutungslos ist. Ein Club kann beispielsweise einen Spieler für eine hohe Summe verkaufen und einen großen Teil davon unmittelbar reinvestieren. Der Netto-Saldo fällt dann vergleichsweise günstig aus, obwohl erhebliche neue Mittel in den Kader geflossen sind.

Wer sich speziell für Einnahmen, Ausgaben und langfristige Transferbilanzen der Bundesliga interessiert, findet dazu unsere separate Analyse der Bundesliga-Transferbilanz.

Warum wir keinen „Transfer-ROI“ berechnen

Die frühere Fassung dieses Beitrags bezeichnete Transferausgaben pro erzieltem Punkt als „Return on Investment“. Diese Bezeichnung verwenden wir nicht mehr. Ein wirtschaftlicher ROI setzt einen messbaren Ertrag ins Verhältnis zur Investition. Bundesliga-Punkte sind kein finanzieller Return.

Auch als allgemeines Effizienzranking ist „Euro pro Punkt“ problematisch. Ein Verein mit sehr niedrigen Transferausgaben kann trotz sportlich schwacher Saison rechnerisch wenig Geld pro Punkt ausgeben. Ein Meister mit hohen Investitionen kann dagegen einen höheren Wert aufweisen. Daraus folgt nicht automatisch, dass der erste Club die bessere Transferarbeit geleistet hat.

Was die Analyse zeigt – und was nicht

Gemessen: Brutto-Transferausgaben, Transfereinnahmen, Nettoausgaben und sportliche Ergebnisse der Club-Saisons.

Beobachtet: Höhere Bruttoausgaben gehen im Zeitraum 2020/21 bis 2024/25 tendenziell mit mehr Punkten pro Spiel einher.

Nicht bewiesen: Dass zusätzliche Transferausgaben die höhere Punktzahl verursachen.

Finanzstarke Vereine unterscheiden sich nicht nur bei den Ablösesummen. Gehaltsbudget, Qualität des bereits vorhandenen Kaders, Trainerstab, Infrastruktur, Verletzungen, Nachwuchsarbeit und zahlreiche weitere Faktoren können ebenfalls mit dem sportlichen Ergebnis zusammenhängen. Diese Variablen sind in der vorliegenden Analyse nicht enthalten.

Die Ergebnisse sollten deshalb als Zusammenhangsanalyse gelesen werden, nicht als Kausalmodell. Aussagen wie „Freiburg ist wegen seiner Kontinuität erfolgreicher“ oder „mehr Transfergeld führt zu mehr Punkten“ lassen sich aus diesem Datensatz nicht ableiten.

Methodik und Datenbasis

Die Analyse umfasst die fünf abgeschlossenen Bundesliga-Spielzeiten 2020/21 bis 2024/25. Jede Kombination aus Verein und Saison bildet eine eigene Beobachtung. Bei 18 Vereinen pro Spielzeit ergeben sich insgesamt 90 Club-Saisons.

  • Transferdaten: ein einheitlicher, öffentlich verfügbarer Snapshot von Transfermarkt-Daten auf Einzeltransfer-Ebene; Zu- und Abgänge wurden club- und saisonweise aggregiert.
  • Sportlicher Erfolg: Punkte, Tabellenplatz und Punkte pro Spiel der jeweiligen Bundesliga-Saison.
  • Hauptanalyse: Pearson-Korrelation zwischen Brutto-Transferausgaben und Punkten pro Spiel.
  • Robustheitscheck: Spearman-Rangkorrelation sowie saisonweise Standardisierung.
  • Zusatzanalyse: Nettoausgaben gegenüber Punkten pro Spiel.
  • Ausreißer: Abweichung vom erwarteten Punkte-pro-Spiel-Wert eines einfachen linearen Modells mit Transferausgaben als einziger erklärender Variable.

Hinweis zur Reproduzierbarkeit: Transfermarkt-Daten können nachträglich aktualisiert werden. Der für diese Analyse verwendete Snapshot wird deshalb nicht mit später veränderten Einzelwerten vermischt. Die aktuell öffentlich sichtbaren Transfermarkt-Seiten können bei einzelnen Saisons geringfügig andere Summen ausweisen. Unbekannte Ablösesummen wurden nicht durch geschätzte Marktwerte ersetzt.

Quellen: öffentlicher Transfermarkt-Datensnapshot, Transfermarkt Bundesliga-Transferübersicht sowie DFB-Datencenter.

Alle 90 untersuchten Club-Saisons anzeigen

Beträge in Mio. €. „Nettoausgaben“ = Ausgaben minus Einnahmen. Negative Werte bedeuten einen Transferüberschuss.

Saison Verein Ausgaben Einnahmen Netto Punkte Pkt./Spiel Platz
2020/21Bayern Munich61,0022,2538,75782,291
2020/21RB Leipzig20,000,0020,00651,912
2020/21Borussia Dortmund58,1547,7510,40641,883
2020/21VfL Wolfsburg18,0010,008,00611,794
2020/21Eintracht Frankfurt16,000,0016,00601,765
2020/21Bayer 04 Leverkusen46,20111,00-64,80521,536
2020/211.FC Union Berlin1,706,92-5,22501,477
2020/21Borussia Mönchengladbach22,7544,00-21,25491,448
2020/21VfB Stuttgart11,800,0011,80451,329
2020/21SC Freiburg8,006,002,00451,3210
2020/21TSG 1899 Hoffenheim13,250,0013,25431,2611
2020/211.FSV Mainz 052,0013,50-11,50391,1512
2020/21FC Augsburg11,103,008,10361,0613
2020/21Hertha BSC33,000,0033,00351,0314
2020/21Arminia Bielefeld0,500,100,40351,0315
2020/211.FC Köln18,5018,500,00330,9716
2020/21SV Werder Bremen10,0023,50-13,50310,9117
2020/21FC Schalke 042,502,000,50160,4718
2021/22Bayern Munich57,5042,5015,00772,261
2021/22Borussia Dortmund45,00107,00-62,00692,032
2021/22Bayer 04 Leverkusen52,000,0052,00641,883
2021/22RB Leipzig107,6269,0038,62581,714
2021/221.FC Union Berlin23,1514,009,15571,685
2021/22SC Freiburg12,000,0012,00551,626
2021/221.FC Köln7,000,007,00521,537
2021/221.FSV Mainz 058,500,008,50461,358
2021/22TSG 1899 Hoffenheim13,000,0013,00461,359
2021/22Borussia Mönchengladbach17,0042,50-25,50451,3210
2021/22Eintracht Frankfurt22,0043,50-21,50421,2411
2021/22VfL Wolfsburg81,7862,5019,28421,2412
2021/22VfL Bochum4,000,004,00421,2413
2021/22FC Augsburg19,000,0019,00381,1214
2021/22VfB Stuttgart15,0034,00-19,00330,9715
2021/22Hertha BSC33,0031,002,00330,9716
2021/22Arminia Bielefeld3,007,50-4,50280,8217
2021/22SpVgg Greuther Fürth3,800,003,80180,5318
2022/23Bayern Munich145,50104,5041,00712,091
2022/23Borussia Dortmund104,6079,0025,60712,092
2022/23RB Leipzig89,5082,007,50661,943
2022/231.FC Union Berlin24,6523,001,65621,824
2022/23SC Freiburg17,8017,000,80591,745
2022/23Bayer 04 Leverkusen36,0012,0024,00501,476
2022/23Eintracht Frankfurt31,0092,00-61,00501,477
2022/23VfL Wolfsburg39,0031,008,00491,448
2022/231.FSV Mainz 0515,5015,000,50461,359
2022/23Borussia Mönchengladbach19,0010,009,00431,2610
2022/231.FC Köln8,0017,00-9,00421,2411
2022/23TSG 1899 Hoffenheim42,0018,0024,00361,0612
2022/23SV Werder Bremen9,007,002,00361,0613
2022/23VfL Bochum7,504,003,50351,0314
2022/23FC Augsburg28,0016,0012,00341,0015
2022/23VfB Stuttgart39,0037,002,00330,9716
2022/23FC Schalke 0411,007,004,00310,9117
2022/23Hertha BSC27,0025,002,00290,8518
2023/24Bayer 04 Leverkusen83,9068,0015,90902,651
2023/24VfB Stuttgart22,4538,00-15,55732,152
2023/24Bayern Munich187,5018,00169,50722,123
2023/24RB Leipzig187,15240,00-52,85651,914
2023/24Borussia Dortmund62,20108,00-45,80631,855
2023/24Eintracht Frankfurt57,00101,00-44,00471,386
2023/24TSG 1899 Hoffenheim39,0044,00-5,00461,357
2023/241.FC Heidenheim5,002,003,00421,248
2023/24SV Werder Bremen7,0011,00-4,00421,249
2023/24SC Freiburg15,0018,00-3,00421,2410
2023/24FC Augsburg16,0014,002,00391,1511
2023/24VfL Wolfsburg75,8070,005,80371,0912
2023/241.FSV Mainz 0514,0015,00-1,00351,0313
2023/24Borussia Mönchengladbach32,0055,00-23,00341,0014
2023/241.FC Union Berlin32,0035,00-3,00330,9715
2023/24VfL Bochum8,007,001,00330,9716
2023/241.FC Köln9,0016,00-7,00270,7917
2023/24SV Darmstadt 985,004,001,00170,5018
2024/25Bayern Munich149,0063,0086,00822,411
2024/25Bayer 04 Leverkusen53,0068,00-15,00692,032
2024/25Eintracht Frankfurt72,0085,00-13,00601,763
2024/25Borussia Dortmund80,0070,0010,00571,684
2024/25SC Freiburg29,0031,00-2,00551,625
2024/251.FSV Mainz 0523,0026,00-3,00521,536
2024/25RB Leipzig86,0070,0016,00511,507
2024/25SV Werder Bremen10,005,704,30511,508
2024/25VfB Stuttgart129,1579,1250,03501,479
2024/25Borussia Mönchengladbach24,0028,00-4,00451,3210
2024/25VfL Wolfsburg44,5025,4519,05431,2611
2024/25FC Augsburg16,0012,004,00431,2612
2024/251.FC Union Berlin20,0020,000,00401,1813
2024/25FC St. Pauli8,005,003,00320,9414
2024/25TSG 1899 Hoffenheim78,5030,5048,00320,9415
2024/251.FC Heidenheim12,0011,001,00290,8516
2024/25Holstein Kiel7,004,003,00250,7417
2024/25VfL Bochum0,604,80-4,20250,7418

Fazit: Geld hilft – erklärt Bundesliga-Erfolg aber nicht allein

Die Daten beantworten die Ausgangsfrage differenzierter als ein einfaches Ja oder Nein. Über 90 Club-Saisons besteht ein stabiler positiver Zusammenhang zwischen Brutto-Transferausgaben und sportlichem Erfolg. Der Effekt zeigt sich in allen fünf untersuchten Spielzeiten und bleibt auch bestehen, wenn Unterschiede zwischen den Saisons berücksichtigt werden.

Gleichzeitig sind die Abweichungen erheblich. Stuttgart und Leverkusen 2023/24 zeigen, wie weit ein Team oberhalb der einfachen statistischen Erwartung liegen kann; andere Club-Saisons zeigen das Gegenteil. Transferausgaben sind damit ein relevanter Teil der Erklärung – aber weder Erfolgsgarantie noch alleinige Ursache.


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